Dienstag, 9. Februar 2010

Untenrum schön operiert!

Eine Patientin sorgt für Gesprächsstoff: Sie ließ ihre Schamlippen korrigieren. Was denken die Schwestern darüber und wieso hat Rebecca so schlechte Laune?

"Vanessa du bist schon wieder zu spät! Außerdem siehst du aus, als hättest du bereits eine Nachtschicht hinter dir!", sagte Rebecca, als Vanessa das Schwesternzimmer betrat. Vanessa hatte seit einigen Tagen einen Flirt mit Philipp Lorenz, einem Assistenzarzt. Und ja, sie hatte eine Mütze Schlaf nötig, aber das würde sie Rebecca jetzt bestimmt nicht auf die Nase binden. "Ich bin verliebt! Und Philipp findet, dass ich ganz fantastisch aussehe! Gibt’s heute irgendetwas Besonderes?", fragte sie die Kollegin. Rebecca wusste von Vanessas Flirt mit Philipp. In ihren Augen war Philipp ein falscher Hund, um es mit den Worten ihrer Oma es auszudrücken. Aber das würde die liebe Vanessa noch merken, dachte sie. Schließlich hatte sie selbst auch herausfinden müssen!

Empfindliche Madame?

"Nö, eigentlich nicht. In der 4 ist eine mies gelaunte Schamlippenkorrektur. Du kannst ihr gleich mal ‚Hallo’ sagen, das Frühstück bringen und die Gaze wechseln," wies sie Vanessa an. "Wieso liegt die da überhaupt, die Lipioplastik ist doch ein ambulanter Eingriff", wunderte sich Vanessa. "Ist halt ein empfindliches Persönchen, die Madame! Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn unser Philipp schuld dran ist.", antwortete Rebecca. Vanessa sah ärgerlich zu ihrer Kollegin, sagte aber nichts. Warum war die heute nur so bissig? "Na, wenn mir einer da unten herumschnippeln würde, wäre ich auch schlecht gelaunt", mischte sich Natalia ein.


Wer operiert sich eigentlich die Schamlippen?


Sie war eine sehr pflichtbewusste Krankenschwester, tat aber so, als gehörten menschliche Geschlechtsorgane ausnahmslos ins Rotlicht-Milieu – und nur dahin. "Überhaupt weiß ich nicht, warum man da unten an sich herumschnippeln lässt. Als gäbe es für das da unten einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. Außerdem sieht man durch die ganzen Schamhaare und im Dunkeln sowieso nichts, sagte Natalia. Rebecca und Vanessa sahen sich an. Natalia trug ihre Hosen immer so, dass sich die diskutierten Körperteile gut sichtbar abzeichneten. "Das mag ja sein, Natalia, aber es gibt auch Menschen, die machen beim Sex das Licht an und andere rasieren sich sogar da unten und/oder sind gepierct. Nicht jeder trifft sich im Dunkeln unter einer schweren Decke, um für fünf Minuten wie zwei Zitteraale aufeinander zu liegen und dann schwitzig voneinander abzufallen und zum Roman auf dem Nachtisch zu greifen, in dem dieses Schauspiel mindestens über zehn Seiten geschildert wird!" erwiderte Vanessa, ohne zwischendurch Luft zu holen.

Die Jungfernhäutchen sind los!

"Nun, zehn Seiten lese ich in wenigen Minuten.", sagte Natalia und verließ das Schwesternzimmer. "Meine Freund hat sich auch die Jungfernhäutchen zunähen lassen", warf Ümmü, Lernschwerster im ersten Jahr ein, die nun auch etwas zum Thema beitragen wollte. Vanessa hätte Ümmü gerne den Mund zugehalten, denn sie wollte nicht mit ansehen, wie Rebeccas Mundwerk gleich Ümmü zerhäckselte. Doch es war zu spät. Rebecca war schon dabei: "Ümmü! -Das heißt "meine Freundin" und "das" Jungfernhäutchen. Denn dein Freund hat gar kein Jungfernhäutchen, wahrscheinlich nicht mal eine Vorhaut! Außerdem sind das zwei verschiedene Eingriffe, liebe Ümmü. Bei der Hymenrekronstuktion werden die Reste des Jungfernhäutchens, das wie ein Ring um den Eingang der Vagina liegt, mit einer Naht wieder miteinander verbunden. Das ist aber nur möglich, und jetzt liebe Ümmü solltest du die Ohren spitzen, wenn der Geschlechtsverkehr nicht zu lange her ist und nicht häufig stattgefunden hat. Nach 45 Minuten ist die Sache geschafft und dein Portemonnaie um 1000 Euro leichter. Bei der Lipioplastik hingegen schneidet der Chirurg den überflüssigen Teil der Schamlippen ab. Du siehst es handelt sich um zwei völlig verschiedene Dinge…!", beendete Rebecca ihren lehrreichen Vortrag.


Die Mutter vom Verlobten - schön wärs!


Vanessa wurde die Luft im Schwesternzimmer langsam zu dick. Auch fragte sie sich, was denn der lieben Rebecca schon so früh am Morgen über die Leber gelaufen ist. "Ich geh dann mal und serviere das Frühstück. Ümmü hilfst du mir bitte?", sagte Vanessa, um Ümmu aus dem Schussfeld zu bringen. "Kindchen, bringen Sie mir doch geschwind ein Wasser! Ich kann mir beim Vertrocknen ja zusehen…", wurde Vanessa kurz darauf begrüßt. In Zimmer 4 lag eine ältere Dame, der der Wassermangel und die vielen Sonnenstunden förmlich ins Gesicht geschrieben waren. Das Einzige, was an dieser Frau noch glänzt, ist ihr Schmuck, dachte Vanessa, der im Übrigen sehr teuer aussah, und ihre neue… Vanessa versuchte, sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren. "Ümmü, gehst du der Patientin bitte mal ein Wasser holen?", wandte sie sich an die Lernschwester. Zu der Frau im Krankenbett sagte sie mit fester Stimme: "Frau Kernacker, ich bin Schwester Vanessa. Ich wechsele jetzt bei Ihnen die Gaze." Die Tür ging auf und ein sehr gutaussehender junger Mann mit einem riesigen Blumenstrauß betrat das Zimmer. Vanessa bemerkte, dass ihr Mund genauso weit offen stand wie der von Ümmü, die obendrein noch die Wasserflasche an ihr Herz drückte. Gott sei Dank, fasste sich Vanessa schnell und beendete den Zustand weiblicher Sprachlosigkeit. "Ümmü, stell die Flasche bitte auf den Nachttisch!" Dann wandte sich Vanessa an den Mann: "Können Sie bitte draußen warten, ich muss bei Ihrer Mutter den Verband wechseln?" "Kindchen, ich bin hier die Mutter von niemandem! Darf ich Ihnen meine Verlobten vorstellen?", antwortete Frau Kernacker mit Stolz.

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