Freitag, 4. Dezember 2009

Sybille soll padeln

Nichts ist wie es scheint. Menschen die man glaubt zu kennen, können einen doch noch überraschen. Das musste jetzt auch Sybille, Vanessas Freundin und Nachbarin erfahren.'
Meistens verliebte Sybille sich in einen Schüler aus ihrem Yogakurs, denn Sybille war Yogalehrerin und Personal-Trainerin in Sachen Fett-weg. Dieser wiederum verließ sie dann wegen einer anderen. Einziger Trost aus Vanessas Sicht war: Die Neue war in der Regel keine Yoga-Schülerin! So verlor Sybille immer nur einen zahlenden Teilnehmer pro Beziehung. Sybille weinte und setzte sich. "Ich versteh'' das nicht, ihr ward doch so glücklich!" Sybille zündete sich eine Zigarette an. Gerne hätte Vanessa ihre Freundin jetzt daran erinnert, dass in ihrer Wohnung Rauchen nicht erlaubt ist, gerne hätte sie wenigstens das Fenster geöffnet oder Sybille an ihren gerade knapp drei Wochen alten Vorsatz für das neue Jahr erinnert, aber sie unterdrückte den Impuls. Sie unterdrückte auch den Impuls Butschi, Sybilles Kater, von ihrem Küchentisch zu fegen, der sich genüsslich darauf aalte - wohl wissend, dass er das nicht durfte. "Er wollte, dass ich…", Sybille schnaubte noch mal kräftig in das Küchenhandtuch, "Er wollte, dass ich ihm mit einem Paddel auf den Hintern haue." "Wozu sollte das denn gut sein?" Vanessa sah sie verständnislos an. Sybille verzog ungeduldig das Gesicht: "Beim Sex!" Vanessa sog die Luft tief ein und hielt eine Hand vor ihren Mund: "Oh mein Gott! Erzähl!"

Jetzt hatte Sybille Vanessas ganze Aufmerksamkeit. Sie wollte gerade wieder in Vanessas Küchenhandtuch schnauben, als ihr ein anderer Gedanke kam. Sie hielt mitten in ihrer Bewegung inne und musterte das Küchenhandtuch genauer: "Hast du auch Taschentücher?" "Aber natürlich Liebes.", antwortete Vanessa und stand auf und kramte in einer Küchenschublade. "Nenn mich nicht so! Das hat Adam immer zu mir gesagt." "Ach Engelchen, das konnte ich doch nicht wissen, schließlich lag ich nicht zwischen Euch!" Vanessa fluchte innerlich, weil ihr der letzte Halbsatz rausgerutscht war. Bei Liebeskummer war Sybille so empfindlich wie ein Babypopo, der unter Windeldermatitis litt. Wenn sie Pech hatte, würde sie die nächste Viertelstunde damit verbringen, ihre Freundin gnädig zu pudern, damit sie endlich pikante Einzelheiten ihrer Urlaubsreise rausrückt.

Sie reichte Sybille die Packung Taschentücher. "Ich mag mir das gar nicht ausmalen. Du alleine auf einer Insel mit einem Perversen und um Euch herum nur Wasser! War es sehr schlimm?" Sybille musterte Vanessa von der Seite. Kater Butschi hob den Kopf vom Küchentisch, spitzte die Ohren und beobachtete Vanessa aus zwei engen Schlitzen. Vanessa rutschte ungeduldig auf ihrem Stuhl hin und her. Sie setzte noch mal an: "Ich an deiner Stelle wäre verzweifelt, aber du, du bist so tapfer…" Sybille wendete ihren Blick von Vanessa ab und streichelte Butschi. Auch er wandte seinen Blick ab und schloss die Augen. Vanessa atmete auf. Und verzieh Butschi, dass er seine Krallen in ihren Tisch trat. "Wir hatten Probleme im Bett." Wer hat die nicht, dachte Vanessa. "Es fing schon vor dem Urlaub an. Adam brauchte ewig bis zum Höhepunkt. Einmal bin ich eingeschlafen und erst wieder durch sein Stöhnen beim Orgasmus aufgewacht. So lange hat es gedauert. Du kannst dir nicht vorstellen wie verzweifelt ich war. Ich wollte, dass die Beziehung diesmal hält und du weißt, wie wichtig Sex dabei ist! Dann ertappte ich ihn dabei, wie er über einem Unterwäsche-Katalog masturbierte. Ich dachte mir also: Er braucht mehr Inspiration. Wenn es mir zu lange dauerte, nahm ich also den Katalog, der lag inzwischen auf meinem Nachttisch, und hielt ihm die entsprechenden Seiten vor die Nase. Meistens kam er dann sofort." "Aber du musst dich doch furchtbar dabei gefühlt haben!" "Nun ja, es war nicht perfekt. Ich habe es auch mit Korsagen und Strapsen versucht. Aber nichts funktionierte so gut wie der Katalog. Und jedes Mal danach war ich auch irgendwie zufrieden mit mir, denn ich hatte ein richtig hartes Stück Arbeit erfolgreich beendet." Vanessa wusste nicht, was sie sagen sollte. So eine verrückte Geschichte hatte sie noch nie gehört. "Ich glaub’, ich brauch’ jetzt erstmal ein Bier! Willst du auch eins?" "Gute Idee, ja bitte... Fortsetzung folgt!

Montag, 16. November 2009

Wenn die liebe Lieb'e nur nicht wär'

Vanessa kämpft sich durch ihren ersten Arbeitstag. Als wenn das nicht schon genug wäre, wartet in ihrer Wohnung noch eine Überraschung auf sie.

'"Betten machen, Essen servieren, Bettpfannen leeren, wenn das meine tägliche Routine ist, dann aber gute Nacht", dachte Vanessa und schob den Bettenwagen eine Tür weiter. "Vanessa gibst du mir ein Laken rüber? Meine sind alle", rief Rebecca aus einem anderen Zimmer. "Von mir aus kannst du alle haben, plus ein Jahresabo auf meine!" "Vanessa, hast du was gesagt?" Rebecca stand auf einmal neben ihr. "Ich habe mich nur gerade gefragt, wie viele Betten die Klinik eigentlich hat?" "Ich glaub’ so um die hundertzwanzig. Wieso?" "Ach, ich wollte nur wissen, für wie viele Betten ich die Verantwortung trage." "Dein erster Tag und schon die Schnauze voll?" "Wie kommst du denn darauf? Schließlich bin ich nicht hier, um mit gut aussehenden Ärzten zu flirten, sondern um Leben zu retten! Und dazu gehört eben auch, Bettwäsche zu wechseln!"

"Da bin ich mir gar nicht so sicher und ob es sich bei einer Brustvergrößerung oder Nasenkorrektur um eine lebenswichtige OP handelt, sei mal dahingestellt." Für Vanessa jedenfalls war klar in welche Kategorie die Busenvergrößerung gehört, aber das behielt sie erstmal für sich. "Sag mal Becca, wolltest du mir nicht noch was zeigen?" "Was denn?" "Na eine Dingsda-Vergrößerung!" "Ach die! Tut mir leid, aber der Patient ist bei dem Eingriff gestorben." Vanessa starrte Rebecca an. "Vanessa mach'' den Mund wieder zu, das war ein Scherz! Der Eingriff wurde verschoben, ich glaube auf nächste Woche. Aber ich verspreche dir, wenn du bis nächste Woche durchhältst, darfst du mit mir seinen Verband wechseln."

Rebecca stupste sie in die Seite und grinste. "Los Schwester, fünfundzwanzig Betten liegen noch vor uns. Wer zuerst fertig ist, leert morgen die Bettpfannen der anderen." "Du spinnst wohl!" "Ok, gibt ein Feierabend-Eis aus!" Vanessa erreichte völlig erschöpft ihre Wohnung. Dank Betten-Work-out konnte sie sich heute das Fitnessstudio sparen. "Wenn das so weiter geht, eigentlich auch gleich die Mitgliedschaft!", dachte sie.

In Ihrer Wohnung kam ihr ein Gemisch aus süßem Parfum und Zigarettenrauch entgegen. "Vanessa, da bist du ja endlich!" "Sybille", Vanessa ließ ihre Tasche fallen und umarmt ihre Nachbarin und Freundin Sybille Liebe. "Ich warte schon seit zwei Stunden auf dich! Wo warst du denn?" "Wo glaubst du denn ist ein Mensch zwischen acht und fünf in der Woche. Außerdem - wieso bist du den jetzt schon da? Du wolltest doch erst nächste Woche von deinem Urlaub zurückkommen." Vanessa musterte ihre Freundin: Sie war sonnengebräunt und sah wie immer gut aus, außer vielleicht um die Augen, die waren leicht gerötet. "Zwischen mir und Adam ist es aus!" "Was! Ich dachte, er macht dir im Urlaub einen Heiratsantrag?" "Genau das dachte ich auch, oder was meinst du, warum ich mir diese ganze Porno-Unterwäsche gekauft habe, die im Hintern zwickt!", schnauft Sybille in Vanessas Küchenhandtuch. Vanessa ließ sich auf einen Stuhl fallen: "Ja, aber was ist denn passiert?" Am liebsten hätte sie die Wörtchen "schon wieder" noch in den Satz geklemmt. Denn dass Sybille weinend in ihrer Küche saß, war schon häufiger vorgekommen.
Fortsetzung folgt...

Freitag, 18. September 2009

Ein neuer Anfang

"Beautyklinik ich komme!", dachte Vanessa beim Klingeln des Weckers. Sie öffnete die Augen und suchte mit der Hand auf dem Nachttischchen nach ihrer Brille.
"Wo ist sie nur?", sie kniff die Augen zusammen und versuchte die Umrisse ihrer Umgebung zu deuten. Ein schwarzer Körper, ungefähr von der Größe eines kleinen Staubsaugers näherte sich. Inzwischen hatte er so zottelige Ausmaße angenommen, dass auch sechs Dioptrien nicht ausreichten um Butschi, den Kater ihrer Nachbarin, die sich im Liebesurlaub auf den Seychellen befand, zu übersehen. Butschi sprang mit einem "Mau" aufs Bett. "Butschi verschwinde! Was ist, wenn ein Patient eine Katzenallergie hat?" Butschi kringelte sich auf ihren Bauch. "Blöder Perserteppich", sie schlug die Bettdecke zurück und suchte sich ihren Weg ins Bad. In der Dusche roch es nach Katzenpipi. Butschi nahm elegant auf dem Klodeckel Platz und schaute unschuldig drein. "Ich werde dich nach China verschiffen. Dort machen sie einen schönen, flauschigen Kragen für eine 10-Euro-Jacke aus dir". Der Kater leckte seine Pfote "Oder ich bringe dir heute Abend einen Katheter mit." Butschi hielt inne und sah sie an. "Wusste ich doch, dass du mich verstehst."

Vanessa kämmte sich noch schnell ihre langen, braunen Haare und begutachtete ihr Outfit. Das enge Designerkostüm betonte ihre weiblichen Rundungen. Seit drei Monaten trug sie Körbchengröße C. Damit war ihr Äußeres erstmal perfekt und sie fühlte sich der Arbeit in der Schönheitschirurgie gewachsen. "Das Leben kann beginnen", dachte Vanessa, warf ihrem Spiegelbild einen Luftkuss zu, drehte sich schwungvoll auf dem Absatz zur Wohnungstür und "Halt, stopp!" Sie sah noch einmal in den Spiegel. "Das kann... doch nicht wahr sein!" Die Iris ihrer Augen war feuerrot. Diese blöden Linsen, verpackt sehen sie alle gleich aus. Sie kramte hektisch in Ihrem Badezimmerschränkchen und fand eine Packung neuer Kontaktlinsen. Sie las "Spiral Schwarz." Sie schmiss sie wieder in den Schrank zurück. Es war zwanzig nach sieben. Um acht begann ihre erste Schicht. Sie musste los, wenn sie nicht gleich am ersten Tag zu spät kommen wollte.

"Wie heißen Sie?", fragte die Dame am Empfang.
"Vanessa Vespa."
"Und Sie haben einen Termin beim Professor?"
"Oh, nein. Ich bin keine Patientin. Heute ist mein erster Arbeitstag als OP-Schwester. Ich sollte mich am Empfang melden, sie wüssten dann schon, wo hin mit mir…"
Die Dame am Empfang, Frau Schimmel las Vanessa auf ihrem Brustanstecker, musterte sie und verweilte verwundert bei ihren Augen.
"Oh ja, ich weiß, meine Augen, ein schreckliches Malheur, bei mir wohnt im Moment ein Kater, und sie glauben es sicher nicht, der hat alle meine Kontaktlinsen aufgefressen, außer diese und meine Brille versteckt." Frau Schimmel hatte sich weggedreht, den Hörer des Telefons in die Hand genommen und gewählt. "Außerdem pinkelt er in meine Dusche und versteht jedes Wort", flüsterte Vanessa noch.
"Station 2 B, melden Sie sich bei Schwester Linsen, zweiter Stock, rechte Seite."
Frau Schimmel widmete sich ihrer Arbeit, ohne Vanessa noch einmal anzusehen.
Sie ging zum Fahrstuhl und wartete. Die Eingangshalle war beeindruckend, fand Vanessa. Die Decke war hoch und verglast. Die Böden und Wände waren mit Marmorplatten gefliest, jedenfalls hielt Vanessa es für Marmor. In der Mitte der Halle stand ein gut gebauter Mann aus Stein. "So einer, wie man ihn in einer Urlaubswerbung für Griechenland sieht", dachte sie.
Sie schaute noch einmal zu Frau Schimmel, die jetzt laut lachte. Sie telefonierte angeregt.
Der Fahrstuhl kam. Vanessa ging hinein. Es wehten noch die Worte "rote" und "Katze" zu ihr herüber. Dann schloss sich die Tür.

Fortsetzung folgt