Nichts ist wie es scheint. Menschen die man glaubt zu kennen, können einen doch noch überraschen. Das musste jetzt auch Sybille, Vanessas Freundin und Nachbarin erfahren.'
Meistens verliebte Sybille sich in einen Schüler aus ihrem Yogakurs, denn Sybille war Yogalehrerin und Personal-Trainerin in Sachen Fett-weg. Dieser wiederum verließ sie dann wegen einer anderen. Einziger Trost aus Vanessas Sicht war: Die Neue war in der Regel keine Yoga-Schülerin! So verlor Sybille immer nur einen zahlenden Teilnehmer pro Beziehung. Sybille weinte und setzte sich. "Ich versteh'' das nicht, ihr ward doch so glücklich!" Sybille zündete sich eine Zigarette an. Gerne hätte Vanessa ihre Freundin jetzt daran erinnert, dass in ihrer Wohnung Rauchen nicht erlaubt ist, gerne hätte sie wenigstens das Fenster geöffnet oder Sybille an ihren gerade knapp drei Wochen alten Vorsatz für das neue Jahr erinnert, aber sie unterdrückte den Impuls. Sie unterdrückte auch den Impuls Butschi, Sybilles Kater, von ihrem Küchentisch zu fegen, der sich genüsslich darauf aalte - wohl wissend, dass er das nicht durfte. "Er wollte, dass ich…", Sybille schnaubte noch mal kräftig in das Küchenhandtuch, "Er wollte, dass ich ihm mit einem Paddel auf den Hintern haue." "Wozu sollte das denn gut sein?" Vanessa sah sie verständnislos an. Sybille verzog ungeduldig das Gesicht: "Beim Sex!" Vanessa sog die Luft tief ein und hielt eine Hand vor ihren Mund: "Oh mein Gott! Erzähl!"
Jetzt hatte Sybille Vanessas ganze Aufmerksamkeit. Sie wollte gerade wieder in Vanessas Küchenhandtuch schnauben, als ihr ein anderer Gedanke kam. Sie hielt mitten in ihrer Bewegung inne und musterte das Küchenhandtuch genauer: "Hast du auch Taschentücher?" "Aber natürlich Liebes.", antwortete Vanessa und stand auf und kramte in einer Küchenschublade. "Nenn mich nicht so! Das hat Adam immer zu mir gesagt." "Ach Engelchen, das konnte ich doch nicht wissen, schließlich lag ich nicht zwischen Euch!" Vanessa fluchte innerlich, weil ihr der letzte Halbsatz rausgerutscht war. Bei Liebeskummer war Sybille so empfindlich wie ein Babypopo, der unter Windeldermatitis litt. Wenn sie Pech hatte, würde sie die nächste Viertelstunde damit verbringen, ihre Freundin gnädig zu pudern, damit sie endlich pikante Einzelheiten ihrer Urlaubsreise rausrückt.
Sie reichte Sybille die Packung Taschentücher. "Ich mag mir das gar nicht ausmalen. Du alleine auf einer Insel mit einem Perversen und um Euch herum nur Wasser! War es sehr schlimm?" Sybille musterte Vanessa von der Seite. Kater Butschi hob den Kopf vom Küchentisch, spitzte die Ohren und beobachtete Vanessa aus zwei engen Schlitzen. Vanessa rutschte ungeduldig auf ihrem Stuhl hin und her. Sie setzte noch mal an: "Ich an deiner Stelle wäre verzweifelt, aber du, du bist so tapfer…" Sybille wendete ihren Blick von Vanessa ab und streichelte Butschi. Auch er wandte seinen Blick ab und schloss die Augen. Vanessa atmete auf. Und verzieh Butschi, dass er seine Krallen in ihren Tisch trat. "Wir hatten Probleme im Bett." Wer hat die nicht, dachte Vanessa. "Es fing schon vor dem Urlaub an. Adam brauchte ewig bis zum Höhepunkt. Einmal bin ich eingeschlafen und erst wieder durch sein Stöhnen beim Orgasmus aufgewacht. So lange hat es gedauert. Du kannst dir nicht vorstellen wie verzweifelt ich war. Ich wollte, dass die Beziehung diesmal hält und du weißt, wie wichtig Sex dabei ist! Dann ertappte ich ihn dabei, wie er über einem Unterwäsche-Katalog masturbierte. Ich dachte mir also: Er braucht mehr Inspiration. Wenn es mir zu lange dauerte, nahm ich also den Katalog, der lag inzwischen auf meinem Nachttisch, und hielt ihm die entsprechenden Seiten vor die Nase. Meistens kam er dann sofort." "Aber du musst dich doch furchtbar dabei gefühlt haben!" "Nun ja, es war nicht perfekt. Ich habe es auch mit Korsagen und Strapsen versucht. Aber nichts funktionierte so gut wie der Katalog. Und jedes Mal danach war ich auch irgendwie zufrieden mit mir, denn ich hatte ein richtig hartes Stück Arbeit erfolgreich beendet." Vanessa wusste nicht, was sie sagen sollte. So eine verrückte Geschichte hatte sie noch nie gehört. "Ich glaub’, ich brauch’ jetzt erstmal ein Bier! Willst du auch eins?" "Gute Idee, ja bitte... Fortsetzung folgt!
Freitag, 4. Dezember 2009
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