Das Universum scheint sich gegen Vanessa verschworen zu haben. Schwester Agnes ist keine Diebin, dafür kommt Vanessa einem Betrug auf die Spur und zu guter Letzt erfahren die Kolleginnen von ihrem bestgehüteten Geheimnis.
Vanessa verlässt den Vorratsraum um eine Make-up Nuance heller und mit einem Lappen in der Hand. Sie taumelte ein wenig, so, als hätte ihr jemand mit einer Bratpfanne auf den Kopf geschlagen. "Aber das kann doch nicht sein, das war doch gerade …", stammelte sie. "Ja!" Agnes betrachtete die Kreolen an ihren Ohrläppchen im Spiegel. Und sie schien zufrieden. "Das waren Philipp und …", Vanessa brach mitten im Satz ab, denn irgendetwas stimmte nicht: Agnes war gar nicht überrascht! Vanessa sah auf den Boden vor Agnes Füßen: Auf dem Boden war auch kein Fleck, den man aufwischen müsste. Vanessa begriff, dass Agnes sie nicht wegen des Lappens in den Vorratsraum geschickt hatte. Sie hörte das Blut in ihren Ohren rauschen. "Du hast gewusst, dass die beiden da drin sind, und hast mich absichtlich darein geschickt?" Vanessa zeigte mit ihrem Arm auf die Tür, aus der sie gerade gekommen war. "Du willst doch unbedingt etwas aufdecken. Jetzt müsstest du eigentlich sehr zufrieden mit dir sein! Du hast zwar keinen Dieb gefasst, dafür aber einen Betrüger gefunden!" Agnes drehte sich zu Vanessa um, "Trotzdem, ich an deiner Stelle würde ihn nicht zu der Linsen schleifen! Für diese Art von Betrug fühlt die sich wahrscheinlich nicht verantwortlich!" Regina Linsen war die Oberschwester und Vanessa war eben noch mit Agnes bei ihr gewesen, um ihr Agnes als Diebin zu präsentieren, was sich als falsch herausstellte. Wobei sie das bei diesen Worten von Agnes sehr bedauerte. Vanessa wollte es nicht, aber sie konnte auch nichts dagegen tun. Ihr liefen die Tränen. "Du gemeines Miststück!" Sie drehte sich um und ging in den Vorratsraum zurück, dabei öffnete sie die Tür so schwungvoll, dass diese gegen die Wand knallte. Philipp und Rebecca zuckten zusammen und aus dem ineinander verschlungenen Doppelkopfkörper wurden wieder zwei. "Ihr Schweine!", Vanessa bewarf die beiden mit dem Lappen, den sie eigentlich für Agnes aus dem Vorratsraum geholt hatte und immer noch in der Hand hielt. "Ich hoffe, ihr habt wenigstens euren Spaß!" Wie sie gerade auf Schweine gekommen war, wusste sie allerdings nicht. Nun ja, Schweine wühlen im Dreck. Und mit Dreck hatte das Verhalten von Rebecca und Philipp auf jeden Fall zu tun. "Spaß? ... bis eben jedenfalls!", sagte Philipp in einem gleichgültigen Ton. Dabei machte er sich nicht mal die Mühe, Vanessa anzusehen, sondern zwinkerte Rebecca zu. Vanessa konnte es nicht fassen: Philipp, dem Philipp, mit dem sie seit ein paar Tagen fast jede Nacht verbrachte, war völlig egal, dass sie ihn gerade in flagranti beim Fremdgehen erwischt hatte. Und das war nun wirklich zuviel: Rebecca kicherte doch tatsächlich bei Philipps Worten! Vanessa holte aus und schlug Philipp mit der jetzt lappenfreien Hand auf die Wange. Im Raum erklang ein klatschendes Echo, dem eine aggressive Stille folgte. Sie waren alle überrascht. Der Mund von Rebecca stand zwar immer noch offen, aber wenigstens grinste sie jetzt nicht mehr, wie Vanessa mit Befriedigung feststellte. Doch Philipps Gesicht bekam eine gefährliche Röte, die nicht alleine von der Ohrfeige stammte. Vanessas Selbsterhaltungstrieb riet ihr dringend, sich zu entfernen. Oh mein Gott!, rief ihre innere Stimme. Zu mehr kam sie nicht, denn Philipp hatte Vanessa schon an den Armen gepackt. "Jetzt hör’ mal zu, nur weil ich ein paar Mal mit dir geschlafen habe, will ich dich noch lange nicht heiraten - klar Schwester!?" Vanessa war sprachlos. "Lass sie los!" Agnes tauchte hinter ihr auf und löste Vanessas Arme aus Philipps Griff. Der wandte sich zum Gehen. "Übrigens, deine Titten …", Philipp deutete mit dem Kopf auf Vanessas Oberweite, "… gute Arbeit!" und dann ging er. Vanessa erstarrte - wohl zu etwas wie einer Salzsäule. Sie traute sich kaum, zu atmen, geschweige denn Agnes oder Rebecca in die Augen zu schauen. Agnes tat, als wäre der letzte Satz von Philipp nicht gefallen. "Ich hab dir doch gesagt, du sollst besser nicht versuchen, ihn festzunehmen!" Sie legte einen Arm um Vanessa und führte sie aus dem Vorratsraum. Rebecca verhielt sich nicht so schwesternhaft: Sie schnaubte und zog an den beiden vorbei. Doch für Vanessa war nicht nur ihre Beziehung mit dem Assistenzarzt beendet, sondern auch ihr bestgehütetes Geheimnis gelüftet worden. Man würde in der Klinik jetzt sicher über sie reden. Wie sollte sie die nächste Schicht überstehen? Würden es da schon alle wissen? Fortsetzung folgt.