Donnerstag, 6. Mai 2010

Nicht immer ist der Dieb der Dieb!

Vanessa und Natalia stehen fassungslos vor Agnes Spind. Darin liegt ein Paar Kreolen. Aber ist es wirklich der verschwundene Schmuck von Madeleine Kernacker aus Zimmer 4?

Aus Vanessa Mund platzte ein "Was!?", wobei dies eher wie ein "Wow!" klang, was von Natalia und Agnes nicht unbemerkt blieb. "Oh mein Gott!", versuchte Vanessa es ein zweites Mal. Doch auch dieser Versuch misslang. Agnes und Natalia sahen sie an, als hätte sie: "Halleluja, wir haben den Dieb!" gesagt. Vanessa entschied sich, erstmal den Mund zu halten. Sie legte demonstrativ ihre linke Hand auf die Lippen. "Was habt ihr denn auf einmal? Habt ihr noch nie ein paar stinkende Socken und einen Pin-up-Kalender für Frauen gesehen?", schnaubte Agnes die beiden Frauen vor ihr an. Natalia drehte sich zu Agnes und stemmte ihre Hände in die Hüften. Sie sah aus wie eine Schulleiterin, die ein sehr unartiges Kind zurechtweisen wollte: "Agnes, das ist nicht komisch! Du kannst eigentlich gleich deine Sachen packen und gehen..." Agnes verschränket ihre Arme vor der Brust: "Sag mal, spinnst du? Ich geh doch nicht wegen eines schmuddeligen Spinds! Sieh dir mal den von Vanessa an, dann möchtest du dich am liebsten gleich übergeben!" Vanessa hatte das Gefühl, eine Biene hätte sie mitten zwischen dem dritten und vierten Brustwirbel gestochen. Sie dachte schon, sie bekommt keine Luft mehr und müsste intubiert werden. "Jetzt ist aber Schluss, du gemeine Diebin", dachte sie. Sie sah Agnes direkt in die Augen und sagte "Du klaust Ohrringe von hilflosen Patientinnen und bunkerst sie in deinem Spind!" "Sagt mal, spinnt ihr jetzt beide? Wenn ich Ärztin wäre, würde ich euch einweisen lassen und den Schlüssel einschmelzen", antwortete Agnes immer aufgebrachter. Vanessa zeigte siegessicher auf die Ohrringe in Agnes Spind: "Und was ist das?" Da Agnes von ihrer Position aus nicht sehen konnte, was Vanessa meinte, bewegte sie sich skeptisch auf sie zu. Auch Agnes konnte jetzt die kleinen funkelnden Gegenstände sehen, schien aber völlig ungerührt. Zu Vanessas Empörung zeichnete sich sogar ein freches Grinsen auf Agnes Gesicht ab. "Das ist ja typisch! Kein Fünkchen Unrechtsbewusstsein in dieser Person!", dachte Vanessa. Vanessa für ihren Teil wusste, was jetzt zu tun war: Diebesgut sichern und Diebin festnehmen! In Zimmer 4 bekam unterdessen Madeleine Kernacker Besuch vom Chefarzt der Beauty-Klinik höchstpersönlich. "Madeleine, wir haben uns lange nicht gesehen." Dirk Schraubstock lächelte und begrüßte die Patientin im Bett mit einem Wangenkuss. "Eine Ewigkeit, Dirk", antwortete sie fünf Grad kühler und hielt ihm ihre Wange hin. Dirk Schraubstock sah auf den - auch für seine Begriffe riesigen - Blumenstrauß aus Equadorrosen und Calla. Er hatte Marlene vor einiger Zeit einen ganz ähnlichen geschenkt. Damals glaubte er, ihre Ehe wäre noch zu retten und dass sie gemeinsam auch ihre Operationssucht in den Griff bekämen. Waren es nicht sogar dieselben Blumen?, ging es ihm kurz durch den Kopf. Er besann sich schnell wieder auf den Grund, der ihn herführte. "In deinem Zimmer ist Schmuck verschwunden?" Er bemühte sich bei diesen Worten um einen mitfühlenden Ton."Ja - in meinem Zimmer - und in deinem Krankenhaus! Ich habe schon jemanden von der Tageszeitung angerufen. Er kommt nachher vorbei." Madeleine Kernacker genoss diese Worte. Dirk Schreibstock tat so, als hörte er die Drohung nicht, die in Madeleines Worten lag. Schlechte Presse konnte für seine Klinik das Aus bedeuten. Das wusste er und das wusste auch seine Exfrau. Statt dessen setzte er sein Verhör fort: "Kannst du mir bitte noch mal schildern, was passiert ist?" "Das habe ich doch schon deinen Schwestern erzählt! Ich habe meine Ohrringe hier auf den Nachttisch gelegt und jetzt sind sie weg!" "War noch jemand hier im Zimmer außer das Krankenhauspersonal?" "Nein!" "Wer hat dir denn diesen riesigen Blumenstrauß geschenkt?" "Er ist von Maxime!" "Maxime Anando, der Anwalt? Steht er nicht kurz vor der Insolvenz?", fragte Dirk Schraubstock scheinbar belanglos. "Wenn du denkst, mein Verlobter klaut meine Ohrringe, dann bist du völlig übergeschnappt! Und hier im Zimmer sind sie auch nicht. Deine weißen Engel haben hier alles auf den Kopf gestellt", keifte adeleine, die langsam die Fassung verlor. Das wusste er selber, schließlich hatte er sein Team angewiesen, keinen Stein auf dem anderen zu lassen und alles genau abzusuchen. Und dass dieser Maxime etwas damit zu tun hatte, glaubte er eigentlich auch nicht. Einem Anwalt traute er eher Betrug und Urkundenfälschung zu, keinen gemeinen Diebstahl. Trotzdem er traute auch seiner Exfrau nicht über den Weg und hatte immer mehr das Gefühl, Teil einer Inszenierung zu sein. "Aber wo könnte diese gerissene …?", Dirk Schraubstock sah zu seiner Exfrau hinab und lächelte. Er hatte eine Idee!