Dienstag, 9. März 2010

Zimmer 4 sorgt für Gesprächstoff

Gesprächsstoff Nummer Eins im Schwesternzimmer ist das Paar aus Zimmer 4. Die Schamlippenkorretur der alten Patientin ruft Verwunderung hervor. Den jungen, gut aussehenden Verlobten können sich die Schwestern gar nicht erklären. Haben die beiden etwas zu verbergen?

"Maxime Anando, freut mich, Sie kennenzulernen. Bei Ihnen ist Madeleine bestimmt gut aufgehoben", begrüßte Frau Kernackers Verlobter Vanessa und Ümmü lächelnd. "Und können Sie mir bitte eine Vase bringen?". "Ich gehe schon", sagte Ümmü – ein wenig zu eifrig für Vanessas Geschmack. Aber sie wollte nicht zu kritisch über Ümmü urteilen, denn auch sie hatte das Zucken in ihren Gliedern gespürt, diesem Mann gefällig zu sein. Wahrscheinlich hatten nur ihre müden Knochen sie vor diesem peinlichen Eifer bewahrt, schließlich hatte sie die vergangene Nacht mit Philipp, einem Assistenzarzt, verbracht und viel zu wenig geschlafen, was sie jetzt auch spürte. "Könnten Sie mich zehn Minuten mit meiner Verlobten allein lassen?", fragte Maxime Anando. Madeleine Kernacker schaute zufrieden wie eine Katze, die gerade Sahne genascht hat. "Oh, sehr gerne Herr Anando. Doch vorher müssen wir die Gaze bei Frau Kernacker wechseln. Wir wollen doch nicht, dass es bei Ihrer Verlobten zu unschönen Verwachsungen kommt!" Maxime Anando drehte sich zum Fenster. Im Augenwinkel konnte Vanessa gerade noch sehen, dass er breit grinste, was sie ein wenig verwunderte. Frau Kernacker dagegen presste ihre Lippen so eng zusammen, dass sie nur eine schmale Linie bildeten.

Frühstück zu zweit

Anita-Sophie Morgen, eine junge Ärztin, betrat das Zimmer: "Frau Kernacker, Herr Anando - schön, Sie so glücklich beisammen zu sehen!" Vanessa zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Sie wusste gar nicht, dass die Morgen so freundlich sein konnte. Vanessa wurde von ihr immer so behandelt, als würde sie der untersten Kaste im Krankenhaus angehören. "Ich hoffe, Ihnen fehlt es an nichts", sagte Anita-Sophie Morgen. "Vielleicht ein wenig Privatsphäre.", konterte Madeleine Kernacker schnippisch. "Madeleine, Liebling, die Schwestern tun doch nur ihre Pflicht", sagte der Verlobte. "Ja, das mag ja sein, aber ich möchte jetzt in Ruhe mit dir frühstücken." "Den Wunsch kann ich Ihnen doch ganz leicht erfüllen" säuselte Anita-Sophie Morgen und wandte sich zu Vanessa: "Nun gehen sie schon und bringen Sie ein zweites Gedeck für Herrn Anando!", forderte sie Vanessa auf - ihr Ton war überhaupt nicht mehr freundlich. Na warte, liebe Anita-Sophie - dir werd’ ich’s noch zeigen!, rief ihre innere Stimme der Ärztin zu, bevor Vanessa das Zimmer verließ.

Und im Schwesternzimmer wurde getuschelt

Im Schwesternzimmer diskutierte man indessen heftig über das ungewöhnliche Paar aus Zimmer 4, das angeblich so gemütlich frühstückte: "Ich glaub’ nicht, dass er die Verlobte von die Frau ist", sagte Ümmü. Dann fügte sie schwärmend hinzu: "Er sieht so gut aus! Wie soll er nur so eine alte Karton lieben?" "Ümmu, das heißt ‚eine alte Schachtel’ und mit Liebe hat eine Verlobung nicht unbedingt was zu tun. Wahrscheinlich ist sie sehr reich", wandte Rebecca ein, als Vanessa die Klinke herunterdrückte. Noch kochend vor Wut auf die arrogante junge Ärztin stampfte sie ins Schwesternzimmer: "Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie dumm mich die Morgen gerade angefahren hat!", empörte sich Vanessa lauthals - hinter ihr krachte die Tür ins Schloss. "Schätzchen, sie kann dich eben nicht leiden.", sagte Agnes Sobieski, eine von Vanessas Lieblingskolleginnen, beschwichtigend. Sie arbeitete seit einem Jahr in der Klinik und man kam gut mit ihr aus - solange man Agnes kein Geld lieh oder, wenn man es ihr lieh, sich damit abfand, es nicht wiederzubekommen. "Das darfst du nicht allzu persönlich nehmen", fügte Agnes noch hinzu und stupste Vanessa in die Seite. "Agnes, kannst du bitte für mich heute die 4 übernehmen und die Gaze wechseln?", bettelte Vanessa. "Aber klar doch Schwester, bin schon ganz gespannt, den Verlobten kennenzulernen" und zu Ümmü gewandt sagte Agnes schmunzelnd "und die alte Karton!" Wenn das ihr Verlobter ist, können Kühe fliegen, flüsterte unterdessen ein kleines Teufelchen auf Vanessas rechter Schulter.

Frau Kernacker hat Geheimnisse

In Zimmer 4 sah Maxime aus dem Fenster und zündete sich eine Zigarette an. "Bist du mit deiner Vorführung zufrieden?", fragte er – Madeleine immer noch den Rücken zugewandt. Diese strich mit ihrer rechten Hand mechanisch die Bettdecke glatt. "Maxime, ich bezahle dich. Sollte ich mit deiner Leistung nicht zufrieden sein, werde ich reklamieren oder mindern, so nennt ihr Juristen das doch, oder? Und jetzt mach’ die Zigarette aus! Du bist in einem Krankenzimmer. Hast du Hunger?" Madeleine deutete auf das Tablett mit dem Frühstück. "Willst du mir nicht endlich verraten, was das alles soll?", fragte Maxime gereizt, während er sich zu Madeleine drehte. "Liebling, das muss dich nicht interessieren, das ist alleine meine Sache", versicherte Madeleine Kernacker ihm. Kurz vor Feierabend traf Vanessa Oberschwerster Regina Linsen: "Vanessa, Sie haben doch den Verband in der 4 gewechselt?" Vanessa antwortete ihrer Vorgesetzten verwundert: "Nein, ich habe mit Agnes getauscht. Wieso?" Oberschwester Linsen sagte nur barsch "In der 4 ist Schmuck verschwunden!", dann eilte sie dienstbeflissen davon. Fortsetzung folgt.