Montag, 16. November 2009

Wenn die liebe Lieb'e nur nicht wär'

Vanessa kämpft sich durch ihren ersten Arbeitstag. Als wenn das nicht schon genug wäre, wartet in ihrer Wohnung noch eine Überraschung auf sie.

'"Betten machen, Essen servieren, Bettpfannen leeren, wenn das meine tägliche Routine ist, dann aber gute Nacht", dachte Vanessa und schob den Bettenwagen eine Tür weiter. "Vanessa gibst du mir ein Laken rüber? Meine sind alle", rief Rebecca aus einem anderen Zimmer. "Von mir aus kannst du alle haben, plus ein Jahresabo auf meine!" "Vanessa, hast du was gesagt?" Rebecca stand auf einmal neben ihr. "Ich habe mich nur gerade gefragt, wie viele Betten die Klinik eigentlich hat?" "Ich glaub’ so um die hundertzwanzig. Wieso?" "Ach, ich wollte nur wissen, für wie viele Betten ich die Verantwortung trage." "Dein erster Tag und schon die Schnauze voll?" "Wie kommst du denn darauf? Schließlich bin ich nicht hier, um mit gut aussehenden Ärzten zu flirten, sondern um Leben zu retten! Und dazu gehört eben auch, Bettwäsche zu wechseln!"

"Da bin ich mir gar nicht so sicher und ob es sich bei einer Brustvergrößerung oder Nasenkorrektur um eine lebenswichtige OP handelt, sei mal dahingestellt." Für Vanessa jedenfalls war klar in welche Kategorie die Busenvergrößerung gehört, aber das behielt sie erstmal für sich. "Sag mal Becca, wolltest du mir nicht noch was zeigen?" "Was denn?" "Na eine Dingsda-Vergrößerung!" "Ach die! Tut mir leid, aber der Patient ist bei dem Eingriff gestorben." Vanessa starrte Rebecca an. "Vanessa mach'' den Mund wieder zu, das war ein Scherz! Der Eingriff wurde verschoben, ich glaube auf nächste Woche. Aber ich verspreche dir, wenn du bis nächste Woche durchhältst, darfst du mit mir seinen Verband wechseln."

Rebecca stupste sie in die Seite und grinste. "Los Schwester, fünfundzwanzig Betten liegen noch vor uns. Wer zuerst fertig ist, leert morgen die Bettpfannen der anderen." "Du spinnst wohl!" "Ok, gibt ein Feierabend-Eis aus!" Vanessa erreichte völlig erschöpft ihre Wohnung. Dank Betten-Work-out konnte sie sich heute das Fitnessstudio sparen. "Wenn das so weiter geht, eigentlich auch gleich die Mitgliedschaft!", dachte sie.

In Ihrer Wohnung kam ihr ein Gemisch aus süßem Parfum und Zigarettenrauch entgegen. "Vanessa, da bist du ja endlich!" "Sybille", Vanessa ließ ihre Tasche fallen und umarmt ihre Nachbarin und Freundin Sybille Liebe. "Ich warte schon seit zwei Stunden auf dich! Wo warst du denn?" "Wo glaubst du denn ist ein Mensch zwischen acht und fünf in der Woche. Außerdem - wieso bist du den jetzt schon da? Du wolltest doch erst nächste Woche von deinem Urlaub zurückkommen." Vanessa musterte ihre Freundin: Sie war sonnengebräunt und sah wie immer gut aus, außer vielleicht um die Augen, die waren leicht gerötet. "Zwischen mir und Adam ist es aus!" "Was! Ich dachte, er macht dir im Urlaub einen Heiratsantrag?" "Genau das dachte ich auch, oder was meinst du, warum ich mir diese ganze Porno-Unterwäsche gekauft habe, die im Hintern zwickt!", schnauft Sybille in Vanessas Küchenhandtuch. Vanessa ließ sich auf einen Stuhl fallen: "Ja, aber was ist denn passiert?" Am liebsten hätte sie die Wörtchen "schon wieder" noch in den Satz geklemmt. Denn dass Sybille weinend in ihrer Küche saß, war schon häufiger vorgekommen.
Fortsetzung folgt...

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